Die erste Bockphase

Mit etwa eineinhalb Jahren beginnt sie, die erste Bockphase. Unsere Tochter ist aber gerade mal 15 Monate alt. Super, ausgerechnet in diesem Punkt muss sie Frühentwicklerin sein.

Wenn die erste Trotzphase beginnt, raten selbsternannte Experten zur Ruhe. Das Kind kann noch nicht mit seinen Emotionen umgehen und weiß nicht anders mit Enttäuschungen umzugehen. Enttäuschungen? Ich finde es auch enttäuschend, dass ich mir morgens die Schuhe zubinden soll, Zähneputzen ist auch nicht gerade ein Spaß und meinen Eintopf in der Kantine würde ich auch liebend gerne meinem Nachbarn über die Hose schütten, ob der nun schmeckt oder nicht. Stellt Euch vor, ich bekäme in der Mittagspause einen Schreikrampf und würde mich auf den Boden werfen, weil mir mein Chef nicht erlaubt ihn mit Erbsensuppe zu besudeln. Dann käme sogleich eine ältere Dame an, die meinen Chef mit bitterbösen Blicken abstafen würde – „Der arme Junge, Sie sind wirklich ein Rabenchef“, würde sie in ihren ergrauten Damenbart murmeln. Mein Chef würde einsichtig werden und sagen: „Nagut, einmal darfst du mir die kochend heiße Suppe über den Schoß kippen, aber nur ausnahmsweise.“ – Ich werde die Taktik morgen mittag ausprobieren.

In Supermärkten und Fußgängerzonen gibt es Dutzende ältere Damen, die sich auf die Seite des Kindes schlagen und verurteilende Blicke austeilen. „Nagut, dann darfst du die Zigaretten eben haben….“

Die selbsternannte Expertin und Psychologin Doris Heueck-Mauß hat soviel Ahnung vom Thema, dass sie sich gleich im Buch „Das Trotzkopfalter“ über die Thematik, seitenweise ergießen muss. In einem Interview mit der Süddeutschen schlägt sie vor: „Verbale Appelle während eines Wutanfalls sind für die Katz, die kommen erst bei Vierjährigen an. Und die machen auch dicht, wenn eine bei Eltern so beliebte Wenn-dann-Drohung folgt. Kleinkinder sollte man lieber in den Arm nehmen und trösten, schließlich werden sie von ihren Gefühlen regelrecht überfallen.“ Das kann ich gerne mal probieren, wenn es bei uns abends um das Einschlafen geht. Sobald ich wieder das Kinderzimmer betrete und die Kleine auf den Arm nehme, wird es nur umso schwieriger sie danach nochmal hinzulegen. Der nächste Trotzanfall ist dann vorprogrammiert. Gut funktioniert es hingegen sie mal drei Minuten lang trotzen zu lassen. Meist ist es danach auch gut und sie schläft ein. Wichtig ist es, dem Kind außerhalb der Bockphasen zu zeigen, dass man es lieb hat. Wenn der Bockanfall vorbei ist, auf den Arm nehmen und trösten. Ansonsten kann man auch ruhig mal bocken lassen, finde ich. Meine Frau und ich können sehr wohl unterscheiden, ob es sich um Schreien weil wirklich was ist, oder um reines Bocken handelt. Tunlichst lassen sollte man das allerdings bei Säuglingen. Ein Baby was schreit gehört auf den Arm genommen. Bei einem eineinhalbjährigen Kind, was ganz offensichtlich einfach keine Lust hat sich die Schnudelnase abwischen zu lassen ist das etwas anderes. Lest dazu auch meinen Artikel „Einflussreiche Nazipädagogik“. Wirklich lesenswert zum Thema ist der Blogbeitrag aus dem Schweizer Tagesanzeiger von Nadia Meier, die sich auf herrlich amüsante Weise über den Erziehungspsychologen Jesper Juul lustig macht. Unbedingt lesen!

Ich glaube wir haben noch keinen Grund uns zu beschweren. Nach hinten werfen, strampeln, schreien. Alles ganz normal. Lustig wird es erst, wenn es soweit kommt wie bei unseren ehemaligen Nachbarn. Da hat das Kind einfach solange die Luft angehalten bis es blau wurde um seinen Willen durchzusetzen. Wenn das noch nicht gereicht hat, mit dem Kopf gegen die Terassentür geschlagen, dass die fast zerbricht und wenn das immer noch nicht reicht, dann muss man sich eben mit kräftigen Bissen wehren und seinen Unmut äußern. Gewalt ist bei uns bisher nur morgens im Spiel, wenn die Kleine nachts nicht mehr in ihr Bett wollte, sie wach geworden ist und der Bock so übermächtig stark wurde, dass wir sie lieber mit zu uns ins Bett genommen haben. Sobald es draußen ansatzweise dämmert wird sie wach und klatsch dem Papa breit grinsend voll eine aufs Auge. „Guten Morgen Papa.“, „Guten Morgen mein Schatz, ich habe dich sehr sehr lieb.“

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Superbock-Bier gegen die erste Bockphase

Ich habe indessen eine Gegeninitiative für mich gestartet. Ich habe jetzt auch eine Bockphase. Eine Bockbierphase. Ein kühles Superbock eignet sich hervorragend um vom Geschrei und Gestrampel runter zu kommen und ist toll um danach auf der Couch einzupennen. Zugegeben: Sexy ist das nicht.

Jetzt suche ich nur noch was für meine Frau. Ein Bockspringbett? Boxershorts oder eine Reise auf das Landgut Bocken? Bockshornkleesamen? Keine Ahnung es wird schwierig.

Übrigens, das Bild ist mit meiner Handycam aufgenommen. Man sieht schon das die total verschmiert ist. Die Kleine liebt das Handy, es ihr wegzunehmen erzeugt einen neuen Superbock und deshalb lass ich sie manchmal damit spielen – Konsequenz: Cam verschmiert und verkratzt. Die Superbockphase fordert erste Opfer.

 

Achtung, jetzt wird’s politisch

Hier in Rheinland-Pfalz stehen bald die Landtagswahlen an. Jedes noch so kleine Kuhkaff wird mit pappigen Werbeplakaten, die halbergraute Gesichter mit gut gebundenen Krawatten zeigen, zugekleistert. Die Parteien, bei denen die Herren der Schöpfung noch zu dumm sind sich eine Krawatte zu binden, versuchen nicht mit Gesichtern sondern mit Parolen um Wählerstimmen zu ringen. Julia Klöckner von der CDU will sogar an jeder Ampel den Verkehrsteilnehmern das Händchen halten und genau zuhören welcher Furz gerade quer sitzt. Fragt sich nur ob jeder Autofahrer das auch will. Engagiert sind sie jedenfalls alle, das muss man den 719 Bewerberinnen und Bewerbern lassen. Und eines haben sie noch gemeinsam, die Parteien. Fast jede versucht mit Familienpolitik beim eigenen Klientel zu punkten und dafür müssen die Kinder natürlich herhalten.

Ich frage mich ob das unschuldige Mädchen auf dem AfD-Plakat „Kinder willkommen“ im Kindergarten dafür gemobbt wird, dass sie ihr Gesicht für populistisches Gafd1eschwafel hergibt. Die arme AfD, 80% ihrer Plakate wurden in der Landeshauptstadt Mainz durch Vandalismus zerstört. Kein Wunder, wenn die mir einen blöden Spruch vor die Haustüre hängen, würde ich den auch abmachen. „Wer Wahlplakate, entfernt, zerstört oder beschmiert, macht sich laut Strafgesetzbuch der Sachbeschädigung strafbar.“  – Ich dachte immer der würde eine Auszeichnung für besonderes Ehrenamt erhalten.

Von wegen Kinder willkommen. Laut Wahl-o-Mat ist die AfD die einzige Partei, die Kita-Gebühren will. Die CDU will auch welche aber bis maximal 30 Euro im Monat. Liebe AfD, ich habe großen Respekt vor Euch. Ihr wart noch nie in diesem Bundesland an der Macht, habt es aber geschafft, dass ich jeden Monat fast 500 Euro für die Kita abdrücken darf. Respekt, Wahlversprechen schon vor der Wahl eingelöst. Und danke liebe SPD fürs Heucheln: „[…] deshalb hat die SPD gebührenfreie Kinderbetreuung eingeführt.“ Nur nicht für mich.

Schreiben nach Gehör für Grundschüler – superinnovativ. Grüne und SPD sind voll dafür, dabei dachte ich bisher immer, dass nur FDP-Mitglieder auf diese Art und Weise schreiben lernen. Das würde zumindest erklären, warum auf diesem Wahlplakat gleich drei Kommafehler gemacht wurden (zugegeben in Berlin, aber die hippen Berliner sind ja ihrer Zeit ja sowieso immer voraus).

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Quelle: Heiko Werning – taz.blogs

Dürfen Schwule Kinder adoptieren? Blos nicht, meint die NPD, denn das wäre eine „Förderung widernatürlicher Lebensweisen.“ Recht haben sie die Volksdeutschen. Auch Holger Apfel, ehemaliger Vorsitzender der rechtsextremen Partei musste wegen Homovorwürfen zurücktreten, genau wie Sachsens NPD-Chef Holger Szymanski, bei dem man Homopornos auf dem Rechner gefunden hat. Was kann schließlich widernatürlicher sein, als NPD-Mitglied zu werden? Die stecken wir dann lieber gleich in den von SPD und CDU angeordneten islamischen Religionsunterricht, wo sie dann von einem atheistischen Mitglied der Piraten-Partei unterrichtet werden. Denn das Geld an den Schulen reichte natürlich nicht für eine kompetentere Fachkraft und der Informatik/Mathe-Lehrer musste wieder fachfremd unterrichten. Wenigstens weiß Holger Szymanski danach, wie er die Pornos auf seinem Rechner vor seinen Kameraden erfolgreich verstecken kann.

Die Linke, die es dank der Fünfprozenthürde mal wieder nicht geschafft hat das Gymnasium abzuschaffen, kann dann weiter zusammen mit der lokalen AntiFa vor der Schule gegen die Bundeswehr protestieren, die versucht mit PlayStation-Simulationen unbescholtene Schüler für den Solatenberuf zu begeistern.

Ziemlich lausig die Parteienlandschaft. Widersprüche in sich und Papa kann eigentlich nichts mit gutem Gewissen wählen gehen. Da bleibt nur eins: Die Gründung einer Eltern-Partei. Und weil Eltern-Partei doof klingt und sich von AfD- und NPD-Anhängern so schlecht merken lässt, nennen wir sie PaPaPa – Die Papa-Partei. Und das sind unsere Forderungen:

  • Adoptionsverbot für NPD-Mitglieder.
  • Die SPD soll alle Kita-Beiträge aus der Parteikasse zahlen.
  • Schreiben nach Geruch und nicht nach Gehör – wobei ungewaschene vegan-Grüne dafür Modell stehen müssen.
  • Holger Szymanski’s Festplatteninhalt wird bei YouPorn hochgeladen.
  • Julia Klöckner muss jedem Autofahrer auf der vierspurigen Schiersteiner-Brücke eine Minute lang die Hand halten und sich die Beschwerden über den dadurch entstandenen kilometerlangen Stau anhören.
  • Das blonde Mädchen auf dem AfD-Plakat darf ihre Identität ändern und kommt in ein Zeugenschutzprogramm, wenn sie über Interna der Partei aussagt.
  • Die Eltern vom AfD-Mädchen müssen alle restlichen AfD-Plakate in Mainz beschmieren, zur Strafe dafür, dass sie ihre Tochter auf ein solches Plakat haben drucken lassen.
  • Alle Mitglieder der Piraten-Partei müssen fachfremd islamische Religion unterrichten, um die Medienkompetenz der Schüler zu verbessern.
  • Die FDP muss für die Linke vor den Schulen gegen die Bundeswehr protestieren, damit die Linken endlich wieder Zeit haben sich mit ihren AntiFa-Kumpels so richtig zu besaufen.

Wer ist dabei?

 

 

Rolf Zuckowski, du hast mein Leben zerstört

Tocotronic, die von mir mit Anfang zwanzig rauf und runter gehört wurden, haben es in ihrem Lied „Michael Ende, du hast mein Leben zerstört“ schon besungen. In dem Song behaupten sie: „…mit den Eltern aller Schichten willst du uns vernichten.“ Doch Tocotronic liegt falsch. Der wahre Übertäter heißt nicht Michael sondern Rolf und schreibt keine Bücher, er macht Musik. „Dirk von Lowtzow, du hast dich schrecklich geirrt“, so könnte das Lied auch heißen.

Mit ihren 14 Monaten ist unsere Tochter schon Musikliebhaberin. Sie schaltet selbstständig die Stereoanlage ein und fängt an zu der Musik zu tanzen, völlig egal welche Musik abgespielt wird. Tanzen, das ist in erster Linie mit dem Kopf wackeln. „Moschen“ würde es Thees Uhlmann vermutlich nennen. Die Kleine hat nur ein Problem: Sie kann die CD nicht wechseln und ist so schutzlos dem ausgeliefert, was Papa, Mama, Oma, Opa oder Freunde und Besucher in den Spieler legen.

Von Freunden und Verwandten kriegt ein junges Kind ständig Geschenke. Besonders dann, wenn es der erste Nachwuchs im engeren Umfeld ist. Gut gemeint bekommt so ein süßes Kindchen auch besonders süße Kinder-CDs und da ist Rolf einfach Marktführer. Rolf Zuckowski ist die Lady Gaga der Kindermusik und unsere Tochter findet das gut – zufrieden läuft sie wieder zum CD-Spieler und hört sich noch eine Runde Welthits wie „Im Kindergarten“ an.

Ich werde auf musikalisch bessere Zeiten warten müssen. Musikgeschmack einwickelt sich erst im Grundschulalter. Wahrscheinlich in der zweiten Klasse. Der Musikpsychologe Reinhard Kopiez hat das in einer umfangreichen Studie rausgefunden. Jetzt werden einige sagen: „Junge, wenn du mit Anfang zwanzig Tocotronic hoch und runter gehört hast, musst du wohl die zweite Klasse übersprungen haben.“ Hab ich nicht. Was soll ich sagen, ich bin in der ehemaligen DDR geboren, wir hatten ja nichts und von nichts kommt nichts, auch kein Musikgeschmack.

Was ich tun kann ist umschalten und CDs wechseln. Ich biete meiner Tochter gerne etwas anderes an. Sie mag auch gerne Rock ’n Roll oder den Soundtrack von Amelie Poulin – Track 4 lief ja auch beim Einzug in die Kirche auf unserer Hochzeit und da war das geliebte Mädchen schon im Bauch. Klassische Musik gefällt ihr auch gut. Doch ehe ich mich versehe, hat wieder ein Besucher Rolf Zuckowski eingelegt … und Zuckowski läuft und läuft und läuft, fast wie ein VW-Käfer und wie ein Käfer geht der auch ins Ohr.

Ihr habt ja alle meinen vorherigen Beitrag über die ansteckenden Kita-Krankheiten gelesen, oder? Naja, wir haben uns natürlich auch angesteckt. Da liege ich also nachts im Bett und versuche endlich in den allheilenden Vollschlaf zu kommen und da kommt er wieder. Rolf. Diesmal in Gestalt eines Ohrwurmes, der durch die vereiterten Gänge meiner Mittelohrentzündung kriecht und sich schmerzverstärkend mit keinem Medikament der Welt vertreiben lässt. So liege ich mitten in der Nacht krank im Bett (für Männer ist es meist nicht allzuweit bis zum Tod) und statt zu schlafen summe ich innerlich den „Bananenbrotsong“. „Echt knorke Rolf, hast du gut gemacht, bist ein echter Kumpel“, schaffe ich noch zu denken ehe der Song von vorne anläuft.

Was kann man gegen einen Ohrwurm tun? Ich erinnere mich an eine Phase meiner Jugend, weit vor Tocotronic – vielleicht habe ich damals noch Ace of Base gehört, vielleicht war es auch schon in meiner Punkrockphase als mir legendäre Eberswalder Punkgrößen wie „Second Rate“ durch den Kopf gingen. Egal. Damals lief auf dem Berliner Radiosender Fritz eine Mitternachtstalksendung namens „Blue Moon“, die ich oft abends noch im Bett hörte. Ich weiß nicht ob es eine Sendung mit Jürgen Kuttner war, aber es gab damals einen Beitrag zum Thema Ohrwurm. Und Kuttner hatte den ultimativen Ohrwurmkiller dabei. Irgendsoeinen Song von irgendeinem folkloristischem Musiker aus Bangladesch oder Pakistan – jedenfalls spielte ihn Kuttner immer wieder, sobald ein Anrufer sich über einen Ohrwurm beklagte. Egal ob Spice Girls oder Tetris-Melodie der Song holf jedem. Schnell versuchte ich den Song mit meinem Kassettenrekorder aufzunehmen, erwischte aber nur einen kleinen Teil dieses fernöstlichen Heil-Lieds. Natürlich hatte ich mir in meinem pubertären Starrsinn nicht aufgeschrieben wie der Künstler und das Lied hießen.

Es gibt ein Problem. Ich habe diese heilige Audio-Kassette nicht mehr. Selbst wenn, ich hätte keine Möglichkeit mehr sie abzuspielen. Hat irgendwer von Euch zufällig diesen 90er-Jahre Blue Monn gehört, den rein zufällig sogar aufgenommen oder kennt jemanden der bei Fritz im Archiv arbeitet? Bitte helft mir. Meine Cosuine und ich haben immer versucht den Song nachzusingen, wenn einer von uns Ohrwurmprobleme hatte. Wir tauften den Künstler Abraham Brokkoli und nannten den Song „Widehop eh“ — und der geht so: „Hambra sappa de Widehop eh, hambra sappa kostraaaa…. hambra sappa de bie de colonie, hambra sappa de koistraaaaa“ — „Kömma dit bitte ma als Audio ham?“

Anmerkung: Ich habe den Fehler gemacht mir den letzten Link zu lange anzusehen. 10-Stunden Tetris … Dum didel dum didel dum dum dum dum dumm dumm dum, dideldum diedeldum dum dum diedeldum dumm dumm dum dum dum dumm … dieeedellldödel diedeldiieee dööö…. Awww – Abraham Brokoli schnell. Ich kann heute sonst wieder nicht schlafen.

Ein krankes Kind

Wie prophezeit war es nach den ersten Kita-Tagen soweit: Unsere Kleine brachte die erste richtig dicke Grippe mit zu uns nach Hause. Damit beginnt der erste Teil der Triologie von Krankheiten, die im Laufe des Kindergartenalters wohl mit nach Hause gebracht werden: Grippe, Magen-Darm und Läuse. Und was passiert mit Triologien die im Kino erfolgreich waren? Klaro, es werden noch ein paar Teile gedreht. Wie wärs also mit Bindehautentzündung, Pseudo-Krupp oder Windpocken? Ansteckender Hautausschlag gibt’s als siebten Teil dann noch oben drauf. Ganz wie bei Star-Wars, da gibts ja nun auch schon sieben Teile.

Ist eine Kita oder ein Kindergarten also ein Paradies für Bakterien und Viren? Die Antwort lautet ja, denn die Kleinen haben noch keinen besonders großen Immunschutz und verstehen noch nichts von Hygiene. Hier ein ziemlich schlechter Comic, der den Kindern wohl was über die Sache beibringen will. Besonders „aufmunternd“ ist auch dieser Beitrag im Spiegel – kurz zusammen gefasst: Zehn bis zwölf Infekte pro Jahr sind für Kindergartenkinder normal und meistens kriegen die Eltern es danach auch ab – na toll.

Das ist aber alles noch nahe Zukunft, bisher sind meine Frau und ich einigermaßen gut drauf und bis auf einen heftigen Schnupfen haben wir nicht viel abbekommen – das kommt noch. Unser kleines Blümchen quälte sich hingegen die letzten drei Tage mit Temperaturen von teilweise über 39°C herum, war unruhig, schrie viel, hustete und wollte auf den Arm.

Wenn erst mal der zweite Teil – „Die Rache des Norovirus“ in das große Heimkino kommt, dann bin ich wohl nicht mehr in der Lage Blogeinträge zu schreiben. Liebe Eltern, wie schafft ihr das, wenn ihr selbst krank seid noch ein krankes Kind zu betreuen? Also ich würde ja dann am liebsten direkt sterben. Jetzt höre ich die Frauen wieder sagen: „Stell dich nicht so an, Mann.“ – Eine amerikanische Studie beweist aber, dass es tatsächlich so ist, dass Männer viel stärker leiden, weil ihr Immunsystem schwächer ist. Lest darüber auch den Beitrag von Antenne Niedersachsen. Männerschnupfen ist eben schlimmer als Frauenschnupfen. Und Kinderschnupfen? Oft spielen Kinder noch fröhlich, selbst wenn sie schon Fieber haben. Und gehen dann natürlich in die Kita, nähren dort das Viren-Eldorado, stecken die anderen Kinder an, diese wiederum ihre Väter – und die sind es dann die wirklich leiden. Männerschnupfen eben.

Eines fällt mir noch auf: Während ich mich im Bus auf die andere Seite setze, wenn neben mir ein fremdes Kind schnudelt, einen Abstand von fünf Metern nicht unterschreite wenn Arbeitskollegen ihren Chef beeindrucken wollen und sie trotz Erkältung ins Büro kommen und selbst meine Frau Kussverbot hat, wenn sie über Halsschmerzen klagt, macht es mir überhaupt nichts aus meine schwer erkältete Tochter auf den Arm zu nehmen, sie zu trösten und mich anhusten zu lassen. Hauptsache sie fühlt sich geborgen und wird schnell wieder gesund – für sie nehme ich auch einen drohenden Männerschnupfen in Kauf, ist doch klar.

Liebe Leser, kommt gut durch die Erkältungszeit und drückt uns die Daumen, dass wir schnell wieder fit sind.

PS: Passend zur Erkältungszeit noch eine Buchempfehlung zum Thema krankes Kind – Bestseller auf Amazon und durchaus ein gutes Mitbringsel, wenn man uns mal besuchen kommt: Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln: Moderne Medizin – Naturheilverfahren – Selbsthilfe

Wenn das Arbeitsleben beginnt – das Ende der Elternzeit

Für einen Erwachsenen ist ein Arbeitstag anstrengend und ermüdend. Für einen Schüler ein Schultag und für ein Kleinkind ist ein Kitatag mit einem Arbeitstag eines Erwachsenen zu vergleichen. Unsere Kleine geht also seit gestern arbeiten. Anders als im Arbeitsleben kriegt sie dafür aber kein Geld, nein, wir müssen dafür bezahlen – und alle Extras wie Windeln trotzdem noch selbst mitbringen.

Ist es zu früh ein Kind mit 13 Monaten in die Kita zu geben? Da streiten sich die Geister. Ich glaube, dass es viele Eindrücke vermittelt und gut ist, wenn die Kleinsten Kontakte zu Gleichaltrigen bekommen. Unser Blümchen einen ganzen Tag zu Hause zu bespaßen ist mittlerweile echt anstrengend geworden. Seit sie läuft will sie alles erkunden, ausräumen, anfassen oder in den Mund stecken. Ein noch so großes Wohnzimmer ist aber irgendwann entdeckt und auch die vielen Spielsachen und Bücher sind bald so vertraut, dass es scheint als würde ihr im eigenen Hause langweilig werden.

Für uns Eltern beginnt der Arbeitsalltag nun auch wieder. Vorbei ist die Elternzeit. Da steht nun ein eigenes Haus und im Nacken sitzt eine Bank, die ihre monatlichen Kreditraten kassieren will. Zwar schleichen sich keine sonnenbrilletragenden, zwielichtigen Gestalten vor unserem Haus rum, aber auch Banken sind Kredithaie im Schafspelz, die bedient werden müssen. Welche Alternative bleibt also, als sich seinen mittelmäßig bezahlten Jobs zuzuwenden? Da kann eine konservative Zeitung wie „Die Welt“ auch einen Artikel darüber schreiben, dass Kitas nur gut für Eltern, aber nicht für Kinder sind. Dafür, dass wir gut wohnen können, muss nun auch die Kleine mit gut einem Jahr beitragen indem sie in eine Kita geht.

Ich denke es gibt da total unterschiedliche Meinungen. Der Konservative, katholische Bayer würde wahrscheinlich sagen: „Wia kannst du grod dei Kind in a Kita gebn.“ um dann noch hinzuzufügen: „Des Kind soi bei da Muada bleim, de Weib hod fia Eaziehung und Haushoit zua soagn“ – ganz emanzipiert eben. Und jetzt stellt euch den im Gespräch mit einem Ostdeutschen „Saupreißn“ vor, der schon als Säugling in der Kinderkrippe war – ganz normal in der ehemaligen DDR: „Ick war schon inne Krippe bevor ick denkn konnte, hat mir ooch nich jeschaadet. Hab ick wenichstns jelernt mit andaan Kinder umzujehn und juut für de schulische Entwicklung isset ooch.“ – ist doch ganz normal, dass das Streit gibt. Und nun versucht mal objektive Texte zur Meinungsbildung zu finden. Aber da wir mit einem Gehalt unser Haus und unseren Lebensstandard nicht halten könnten, müssen wir unser Kind in die Kita geben und deshalb auch Argumente finden, die uns die letzten Zweifel nehmen, dass der altbackene Bayer vielleicht doch Recht haben könnte.

Dieser Artikel im Tagesspiegel ist schon viel bessers als der in der Welt und zeigt mir, dass es eben darauf ankommt. Eine Betreuung in der Kita ist nicht schlecht, die Kleinen kommen damit gut klar uns können zwischen zuhause und Kita unterscheiden. Wichtig ist nur, dass es die nötige elterliche Zuwendung zuhause bekommt und man es mit der Fremdbetreung nicht übertreibt – somit wird das Kind eher gefördert und angeregt. Wichtig ist auch, dass die Gruppen nicht so groß sind und man sich die Einrichtung vorher anguckt. Unsere macht einen echt guten Eindruck – kleine Gruppen, das Kind darf sich seine Bezugsperson selbst aussuchen – alles ist sauber und neuwertig. Außerdem kommt es auch individuell darauf an, wie weit das Kind schon entwickelt ist. Ich würde ein Kind was sich noch gar nicht ausdrücken kann, auch nicht mit Gesten und weder krabbelt noch läuft auch nicht gerne in die Kita geben.

Unsere Tochter wird in der Regel am frühen Nachmittag abgeholt und bekommt von Mama und Papa viel Zuwendung zuhause. Außerdem macht sie immer deutlich was sie will und was nicht. Sie läuft breitbeinig durch die Welt ist fröhlich und allem Neuen gegenüber aufgeschlossen – sie spielt gerne mit anderen Kindern und liebt es zu tanzen. Ich denke, dass ihr der Kitabesuch gut tut. Anstrengend ist es trotzdem. Gestern habe ich sie abends ohne jeglichen Protest ins Bett gelegt. Wie bei uns nach einem anstrengenden Arbeitstag eben.

Vielleicht hilft dem ein oder anderem ein sachlich geschriebenes Buch um zu entscheiden ob in ihm eher der Bayer oder eher der Preuße durchkommt. Das Buch wird auch in dem Artikel vom Tagesspiegel empfohlen: Unter drei schon aus dem Haus? Eine Entscheidungshilfe für junge Eltern

 

Krabbeln, Laufen und Entdecken: Was fürs Kind jetzt interessant wird

Krabbeln ist von gestern. Völlig aus der Mode und ganz schön „bababa“, wie unsere Kleine sagen würde. Laufen, dass ist jetzt „in“. Zugegeben, es klappt noch nicht ganz so gut, wie es das kleine Blümchen gerne hätte. Zuerst muss man sich dazu nämlich mühsam ein einem Gegenstand hochziehen und dann an dessen Kanten entlang hangeln. Dabei kommt es manchmal vor, dass das Gleichgewicht halten zur unlösbaren Aufgabe wird und man unsaft mit dem Kopf voran zu Boden plumpst. Zum Glück sind Mama oder Papa immer zum trösten in der Nähe und irgendeiner fängt die meisten Stürze schon irgendwie ab. Bisher gab es erst eine größere Beule. Wir hoffen wahrscheinlich vergeblich, dass nicht allzuviele neue hinzukommen. Wenn unser Mädchen dann begriffen hat, dass es zum Laufen noch nicht an der Zeit ist, trainiert sie ihre Krabbelfähigkeit weiter. Die ganze Wohnung ist auf einmal erreichbar. Da gibt es natürlich viel zu entdecken. Die Gefahren unterwegs erkennt man am besten, wenn man einfach mal mitkrabbelt und sich überlegt, was man alles für einen Unsinn anstellen könnte. Eines ist Fakt: Das Kind kommt auf noch viel größeren Unsinn. Warum Stromkabel so furchtbar lecker sind, erschließt sich uns Erwachsenen einfach nicht. Ganz interessant sind auch Ritzen und Löcher. Überall wo es geht werden die kleinen Fingerchen reingesteckt: Nicht ganz verschlossene Schranktüren, Astlöcher auf dem Dielenboden oder Steckdosen. Da muss Papa natürlich hinterher sein und alles mögliche absichern. Ganz nervig und völlig unpraktisch ist ein Steckdosenschutz ohne Drehmechnismus, da kann man dann jedes Mal wenn man die Steckdose braucht den Schutz rausnehmen, ablutschsicher verstauen und wenn die Steckdose wieder frei ist, in der Wohnung suchen gehen. Also unbedingt welche mit Drehmechnismus kaufen. Für das neue Haus brauchen wir noch dringend Absperrgitter für die Treppen. Ansonsten ist glaube ich nur gesunder Menschenverstand gefragt und sich in das Baby hinzuversetzen.

Heudüngerling - LSD-Trip für Babys
Heudüngerling – LSD-Trip für Babys – Quelle: Wikipedia – Alan Rockefeller under Creative Commons ShareAlike 2.5 License

So eine Hortensie sieht doch verdammt lecker aus, ist aber total giftig. Blauregen, Fingerhut, Maiglöckchen, Efeu, Kirschlorbeer: Alles giftig. Hecken aus Eibe oder Lebensbaum: Auch sehr giftig. Natürlich sehen auch Oleander, Alpenveilchen, Christrose, Tollkirsche und Stechapfel verdammt lecker aus, gehören aber höchstens in die Drogenprobierwerkstatt eines um jeden Preis breit werden wollenden Spätpubertierenden. Knallerbsen sind auch giftig, damit spielen macht aber Spaß. Jetzt im Sommer wird auch gerne auf frisch gemähtem Rasen gekrabbelt. Augen auf! Die kleinen Pilze die dort wachsen nennen sich Heudüngerling und haben ähnliche Wirkung wie LSD. Wer sein Kind nicht unnötig auf einen Trip bringen will, der sollte also auch dort aufpassen. Es gibt so manche Kinder die total übervorsichtig behandelt werden und nachher übertrieben ängstlich sind. Ich finde: Nicht alles verbieten und ruhig auch mal an Mamas Inlineskates lutschen lassen – die Kleine wird schon feststellen, dass das nicht schmeckt. Es ist für die Kleinen aber besonders wichtig die giftigen Planzen genau bestimmen zu können. Papa freut sich schon auf die erste Unterrichtsstunde in Pflanzenkunde. Die essbaren Pflanzen und Pilze werde ich aber erst viel später beibringen. Vorsorglich habe ich die Nummer von der Vergiftungszentrale im Handy abgespeichert.

Chancengleichheit – ein Mythos

Politiker nehmen es vor Allem in Wahlkampfphasen gern in den Mund, dieses klangvolle, positiv besetzte Wort: „Chancengleichheit“. Egal ob sozialdemokratisch, grün oder links, jeder wirbt gerne damit und groß wird es auf lästigen, überdimensionalen Wahlwerbeplakaten propagiert: „Chancengleichheit.“ Aber wird es für Kinder, ja kann es für Kinder überhaupt jemals Chancengleichheit geben?

Gestern hatten wir unser Taufgespräch. Das ist ein Vorgespräch, bei dem Eltern und Kind gemeinsam mit dem Pfarrer den Prozedere der Taufe durchsprechen, ein paar Hintergründe erklärt werden. Ein Skandal, sollte bei dieser wichtigen kirchlichen Zeremonie irgendetwas nicht nach Plan verlaufen. Sicher kämen wir dann groß auf die BILD-Vatikan: „Eltern in Trierer Kirche bei Taufbashing erwischt“ – oder ist die BILD-Vatikan etwa auf Latein? Ich komme vom Thema ab. Bei dem Taufvorgespräch waren auch zwei andere Mütter, deren Söhne zusammen mit unserem Blümchen am Sonntag getauft werden sollen. Die beiden werden auf hippe amerikanische Vornamen getauft. Wie Forscher in einer Studie rausfinden konnten, werden also am Sonntag bei der Taufe die beiden Jungs schon alleine durch die Namensgebung in der Schule schlechtere Noten erzielen: „Aufgaben, die unter dem Namen Maximilian verfasst wurden, erhielten zum Beispiel eine bessere Bewertung als die gleichen Aufgaben unter dem Namen Kevin“, sagt Professorin Astrid Kaiser vom Institut für Pädagogik – Süddeutsche Zeitung.  Dagegen wird wohl selbst der engagierteste Linke nichts unternehmen können.

Nicht nur die Vornamen werden den beiden in Zukunft zu schaffen machen. Ihre Eltern gewöhnen sie schon frühzeitig an Zucker. Der kleinere von beiden wurde beim ersten winzigen Mucks den er von sich gab sofort mit reinem Multivitaminsaft beruhigt. „Immerhin kein Bier mit Zucker, oder Cola“, dachte ich mir. Die andere Mutter zückte kurze Zeit später ein knallrotes Getränk um ihren Liebling ruhig zu stellen. Folgen sind Karies und Übergewicht – bei der einen Mutter schien dieses allerdings sowieso Familientradion zu sein.

Am Badesee am Wochenende stelle mein Schwippschager einem kleinen Jungen, ca. 8 Jahre alt, übergewichtig, mit rauchenden, Biermixgetränken schlürfenden und arschgeweihentfernten Eltern, eine einfache Frage. Erschreckend wie zurückgeblieben die Sprachentwicklung noch war.

Kann die Politik denn dagegen etwas tun, wenn sich Eltern falsch um ihre Kinder kümmern? Nutzt es was, wenn man Betreuungsgeld gibt, statt die Kinder in kostengünstige Kitas zu stecken, wo sie von anderen Kindern lernen können, wo gut ausgebildete Erzieher auch den Kevins und Sandy’s etwas über gesunde Ernährung erzählen können? Und wird der Junge von der dicken Mutter vom Taufvorgespräch jemals studieren können, wenn er womöglich noch Studiengebühren zahlen muss und ihm vielleicht zuhause die Werte von RTL2 vermittelt werden? Warum sind solche Mütter nicht in den Eltern-Kind-Kursen an der Familienbildungsstätte zu finden? Weil sie Geld kosten? Würden sie da hingehen, wenn die kostenlos wären?

Ich finde das mit der Chancengleichheit ist ein ganz schwieriges Thema. Wenn mir allerdings ein Politiker erzählen will, dass die beiden oben genannten Jungs die gleichen Chancen haben, wie die Kinder eines Akademikerpärchens, dann werde ich mir in Zukunft gedanklich die Taschen zunähen, damit der sie mir nicht voll machen kann.