Unterwegs im Flugzeug

Was für Geschäftsreisende Alltag ist, ist für eineinhalbjährige Zwerge ein großes Abenteuer. Eine Flugreise. Klar gibt es sie, die Hipster-Eltern der Generation-Y, die mit ihren Kleinsten direkt in antitouristische Ziele wie z.B. Malawi oder Suriname fliegen. Ob die Reise und der mehrstündige Flug dann aber wirklich so gechillt und unproblematisch waren, wie vor den feschen Freunden beim Club-Mate an der Work-Life-Balance-Bar behauptet wird, wage ich jedoch zu bezweifeln. Wir sind jedenfalls nicht so cool. Wir sind blos nach Dresden geflogen.

Und wir sind Pfennigfuchser. Statt den überteuerten Flughafenparkplatz zu nehmen, haben wir auf einem Parkplatz von Airparks geparkt, knapp 30 Euro gespart und dann mit dem inklusive Shuttle zum Flughafen gefahren. Ist das nicht uncool? Auf dem Flughafen-Köln Bonn gibt es viel für Kinder zu entdecken und im Vergleich mit Berlin Tegel, von wo wir zurück geflogen sind, ist es auch nicht so abgenutzt. Alles scheint neu und ordentlich zu sein und es gibt sogar einen Indoorspielplatz für die Kinder. Mit Bällebad. Unsere Tochter tastete sich langsam ran. Erstmal beobachten ist ihr Credo. Besonders gut beobachtet wurde der etwas ältere Junge, der rückwärts und kopfüber mit der kleinen Rutsche ins Bällebad glitt. Papa musste also die Schuhe ausziehen und mit in den Spielkäfig, um der Kleinen beim Erklimmen der Rutsche zu helfen. Die ersten zweimal wurde noch normal gerutscht., danach der ältere Junge imitiert. Der Anblick, wie eine Eineinhalbjährige auf dem Bauch eine Rutsche runterdonnert wäre sicher nichts für ängstliche Großelternaugen gewesen. Unserer Tochter war das völlig egal und mit einem Jauchzen tauchte sie in das Bällebad ein. Sie versank förmlich darin. Ein Glück ist Papa ein guter Bademeister und konnte sie immer wieder vorm Untergang im Plastikbecken bewahren. Das wäre auch eine furchtbare Schlagzeite in der Bildzeitung gewesen. „Vater lässt Tochter in Bällebad ertrinken.“ Die Wartezeit verging sprichwörtlich wie im Flug.

Das schöne beim Fliegen mit Kleinkind ist, dass der Flug für unter Zweijährige kostenlos ist. Nachteil: Das Kind hat keinen eigenen Sitzplatz und muss bei den Eltern auf dem Schoß sitzen. Für uns Väter kann das ein Nachteil sein. Kinder haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang und schaffen es trotz dem für Kleinkinder von der Fluggesellschaft bereit gestellten Extragurt aufzustehen und auf Papas Schoß rumzutanzen. Das nächste Mal sollte ich ein Suspensorium anziehen. Ich verstehe nämlich jetzt wieso die Berliner Hipster-Eltern mit ihren Fahrradanhängern immer nur Einzelkinder durch den Volkspark Friedrichshain kutschieren: Weil die Väter nach dem Weichteil-Getrampel ihres Kindes auf dem Elfstundenflug nach Trinidad zeugungsunfähig gworden sind.

Wenn es irgendwann zu sehr schmerzt, kann man unsere Tochter wunderbar mit Essen ruhigstellen. Wie ein Geier stürtzt sie sich dann auf die mitgebrachten Apfelstücke und Knabbereien. Wenn Liebchen dann endlich sitzt, kann sich auch mal der Intimbereich vom Herrn Vater ausruhen, dafür bekommt der Passagier auf dem Platz in der Sitzreihe vor uns sein Fett weg: Die Beine von unserem kleinen Schatz halten einfach nicht still. Da wird sich am Vordersitz abgedrückt, dagegen getrampelt, geschlagen und gewackelt. Kostenlose Rückenmassage oder Körperverletzung? Die Interpretation hängt von der Toleranz des Mitreisenden auf dem Vordersitz ab. Gut ist es, wenn das Kind auf einem elterlichem Schoß mit Fensterplatz sitzt. Denn die Stewardessen schaffen es selbst auf einem 50-Minutenflug den Wagen mit völlig überteuerten Leckereien mindestens viermal an der Nase eines jeden zuckersüchtigen Kindes vorbeizuschieben. Wohl dem, der es schafft, das Kind davon abzulenken und selbst etwas zu essen eingepackt hat. Wasser gibt es für Kinder an Board übrigens kostenlos. Trotzdem haben wir unsere Trinkflasche immer an den Bars im Flughafenwartebereich auffüllen lassen. Kein Problem, wenn man nett fragt. Start und Landung kann man dann übrigens wunderbar mit einer Nuckelflasche ausgleichen. Unsere Tochter hat sich jedenfalls nie über Ohrendruck beschwert.

In Dresden wurden wir vom Opa abgeholt. Aber das ist dann eine neue Geschichte.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Unterwegs im Flugzeug

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s