Ich will! (Darf aber nicht)

„Nein, man schlägt nicht mit den Händen gegen den Fernseher!“ höre ich mich selbst mit meiner Tochter meckern, als sie ich hochnehme und woanders im Wohnzimmer abstelle. Frech werde ich angegrinst. Man sieht richtig, wie sie in ihrem kleinen Kopf einen neuen Streich ausheckt. Als ich kurz zu meiner Frau schaue, weil sie mir etwas sagen will, flitzt die Kleine an mir vorbei Richtung Fernseher um wieder mit beiden Händen gegen den Bildschirm zu schlagen, so dass das Gerät beinahe umfällt. „Du darfst nicht gegen den Fernseher schlagen. NEIN, NEIN, NEIN!“ Mädchen hochnehmen und woanders abstellen folgen. Als sie wieder versucht an mir vorbei zu schlüpfen und zum Fernseher zu laufen halte ich sie fest. Die Reaktion folgt sogleich: Die Kleine wirft sich auf dem Boden, schreit und strampelt. Riesiger Bockanfall. Ab ins Reisebettchen: „Dort kann sie sich ausbocken“, denke ich mir. Doch statt weiter zu bocken lacht sie und wirft sich von einer Seite auf die andere, wie ein Boxer der sich im Ring in die Seile wirft, so dass das Bett beinahe zusammenklappt. Lustig so ein Reisebett.

In der Kita sagt man uns, dass unsere Tochter einen sehr ausgeprägten Willen hat und sie sich durchsetzen kann. „Zeugnisse muss man positiv formulieren, auch mündliche“, denke ich mir. Meine Frau sagt: „Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Kleine uns nicht bald auf der Nase herumtanzt.“ – ich dachte immer ich habe noch Zeit bis zur Pubertät. Als Mädchenpapa eine Horrorvorstellung – die über alles geliebte Tochter kommt mit einem Checkertypen nach Hause und ist so tief in der Pubertät, dass sie sich nicht mehr beeinflussen lässt.

In der Kita hat sie einem Jungen an den Haaren gezogen, Spielzeug weggenommen und Essen geklaut. Es liegt eben am Temperament. Sie ist temperamentvoll. Wir können da wirklich nichts dafür. Das steht auch in unserer Erziehungsbibel, dem Buch Babyjahre – gehört in jeden Haushalt mit Babys/Kleinkindern.  Jedes Kind im Alter zwischen 12 und 24 Monate würde ausrasten. Das Kind könne seine Gefühle noch nicht anders zeigen. Spielzeug und Essen wegnehmen sei nicht böse gemeint. Mit eineinhalb Jahren hätte die Kleine angeblich schon ein gutes Gefühl für „Meins“, könne aber mit „Deins“ noch gar nichts anfangen.

Ich habe da andere Beobachtungen gemacht. Unser Blümchen liebt Birnen und Äpfel, besonders wenn sie sorgfältig von Mama oder Papa geschält und in kleine Stückchen geschnitten sind. Sie liebt es auch ihren Papa zu füttern. Sie hält mir also ein Stück Birne vor den Mund und als ich gerade zubeißen will, steckt sie es sich selbst in den Mund und lacht sich kaputt. Der dumme Papa ist auf einen so simplen Trick reingefallen. Also wenn das Mädchen den Unterschied zwischen „Deins“ und „Meins“ noch nicht kennt, dann müsste ich mich doch schwer täuschen.

Ich bin gespannt welche Streiche noch alles folgen werden.

 

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2 Gedanken zu “Ich will! (Darf aber nicht)

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