Wenn das Arbeitsleben beginnt – das Ende der Elternzeit

Für einen Erwachsenen ist ein Arbeitstag anstrengend und ermüdend. Für einen Schüler ein Schultag und für ein Kleinkind ist ein Kitatag mit einem Arbeitstag eines Erwachsenen zu vergleichen. Unsere Kleine geht also seit gestern arbeiten. Anders als im Arbeitsleben kriegt sie dafür aber kein Geld, nein, wir müssen dafür bezahlen – und alle Extras wie Windeln trotzdem noch selbst mitbringen.

Ist es zu früh ein Kind mit 13 Monaten in die Kita zu geben? Da streiten sich die Geister. Ich glaube, dass es viele Eindrücke vermittelt und gut ist, wenn die Kleinsten Kontakte zu Gleichaltrigen bekommen. Unser Blümchen einen ganzen Tag zu Hause zu bespaßen ist mittlerweile echt anstrengend geworden. Seit sie läuft will sie alles erkunden, ausräumen, anfassen oder in den Mund stecken. Ein noch so großes Wohnzimmer ist aber irgendwann entdeckt und auch die vielen Spielsachen und Bücher sind bald so vertraut, dass es scheint als würde ihr im eigenen Hause langweilig werden.

Für uns Eltern beginnt der Arbeitsalltag nun auch wieder. Vorbei ist die Elternzeit. Da steht nun ein eigenes Haus und im Nacken sitzt eine Bank, die ihre monatlichen Kreditraten kassieren will. Zwar schleichen sich keine sonnenbrilletragenden, zwielichtigen Gestalten vor unserem Haus rum, aber auch Banken sind Kredithaie im Schafspelz, die bedient werden müssen. Welche Alternative bleibt also, als sich seinen mittelmäßig bezahlten Jobs zuzuwenden? Da kann eine konservative Zeitung wie „Die Welt“ auch einen Artikel darüber schreiben, dass Kitas nur gut für Eltern, aber nicht für Kinder sind. Dafür, dass wir gut wohnen können, muss nun auch die Kleine mit gut einem Jahr beitragen indem sie in eine Kita geht.

Ich denke es gibt da total unterschiedliche Meinungen. Der Konservative, katholische Bayer würde wahrscheinlich sagen: „Wia kannst du grod dei Kind in a Kita gebn.“ um dann noch hinzuzufügen: „Des Kind soi bei da Muada bleim, de Weib hod fia Eaziehung und Haushoit zua soagn“ – ganz emanzipiert eben. Und jetzt stellt euch den im Gespräch mit einem Ostdeutschen „Saupreißn“ vor, der schon als Säugling in der Kinderkrippe war – ganz normal in der ehemaligen DDR: „Ick war schon inne Krippe bevor ick denkn konnte, hat mir ooch nich jeschaadet. Hab ick wenichstns jelernt mit andaan Kinder umzujehn und juut für de schulische Entwicklung isset ooch.“ – ist doch ganz normal, dass das Streit gibt. Und nun versucht mal objektive Texte zur Meinungsbildung zu finden. Aber da wir mit einem Gehalt unser Haus und unseren Lebensstandard nicht halten könnten, müssen wir unser Kind in die Kita geben und deshalb auch Argumente finden, die uns die letzten Zweifel nehmen, dass der altbackene Bayer vielleicht doch Recht haben könnte.

Dieser Artikel im Tagesspiegel ist schon viel bessers als der in der Welt und zeigt mir, dass es eben darauf ankommt. Eine Betreuung in der Kita ist nicht schlecht, die Kleinen kommen damit gut klar uns können zwischen zuhause und Kita unterscheiden. Wichtig ist nur, dass es die nötige elterliche Zuwendung zuhause bekommt und man es mit der Fremdbetreung nicht übertreibt – somit wird das Kind eher gefördert und angeregt. Wichtig ist auch, dass die Gruppen nicht so groß sind und man sich die Einrichtung vorher anguckt. Unsere macht einen echt guten Eindruck – kleine Gruppen, das Kind darf sich seine Bezugsperson selbst aussuchen – alles ist sauber und neuwertig. Außerdem kommt es auch individuell darauf an, wie weit das Kind schon entwickelt ist. Ich würde ein Kind was sich noch gar nicht ausdrücken kann, auch nicht mit Gesten und weder krabbelt noch läuft auch nicht gerne in die Kita geben.

Unsere Tochter wird in der Regel am frühen Nachmittag abgeholt und bekommt von Mama und Papa viel Zuwendung zuhause. Außerdem macht sie immer deutlich was sie will und was nicht. Sie läuft breitbeinig durch die Welt ist fröhlich und allem Neuen gegenüber aufgeschlossen – sie spielt gerne mit anderen Kindern und liebt es zu tanzen. Ich denke, dass ihr der Kitabesuch gut tut. Anstrengend ist es trotzdem. Gestern habe ich sie abends ohne jeglichen Protest ins Bett gelegt. Wie bei uns nach einem anstrengenden Arbeitstag eben.

Vielleicht hilft dem ein oder anderem ein sachlich geschriebenes Buch um zu entscheiden ob in ihm eher der Bayer oder eher der Preuße durchkommt. Das Buch wird auch in dem Artikel vom Tagesspiegel empfohlen: Unter drei schon aus dem Haus? Eine Entscheidungshilfe für junge Eltern

 

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3 Gedanken zu “Wenn das Arbeitsleben beginnt – das Ende der Elternzeit

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