Väterlicher Beschützerinstinkt

Jetzt im Frühling kann man es überall beobachten. Die Stockenten loten einen geeigneten Brutplatz aus, auch unser Gartenteich wird in Erwägung gezogen und inspiziert. Die Amseln zwischern erregt über die Wiesen und wissen wahrscheinlich noch gar nicht genau warum und die Tierarztpraxen machen Sonderschichten, denn bevor es richtig los geht müssen auf den letzten Drücker noch Kater und Rüde kastriert werden. Irgendwann ist es dann soweit und in Mensch- und Tierwelt wird Nachwuchs erzeugt. Noch interessanter wird es dann im Mai oder Juni bei den Tieren oder im Jahr darauf bei den Menschen, wenn der Nachwuchs erst einmal da ist. Einem Schwan sollte man selbst an einem guten Tag nicht zu nahe kommen, zu schnell bekommt man seine Aggression zu spüren. Noch schlimmer aber wenn das Viehzeug lebenden Nachwuchs hat – denn der wird konsequent und auf Leben oder Tod verteidigt, selbst wenn der Gegner übermächtig erscheint.

Ich habe es diese Ostern zum ersten Mal selbst verspürt, dass ungeheure Verlangen mein Mädchen zu verteidigen, koste es was es wolle.

Meine Mutter war mit ihrem Lebensabschnittsgefährten bei uns zu Besuch. Diese besagte Gefährte war zum ersten Mal in Trier und weil wir eine gastfreundliche Kleinfamilie sind, wurde ihm die Stadt mit all ihren historischen Sehenswürdigkeiten vorgestellt. Trier hat viel zu bieten und ich kann auch DIR einen Besuch empfehlen.

Im strömenden Regen schlenderten wir also mit Kinderwagen zum UNESCO Weltkulturerbe Trierer Dom. Kurz vor dem Dom kam uns jemand entgegen, etwas verwirrt und laut brüllend „Scheiße, so eine SCHEIßE!“. Trotz der mit Menschen einigermaßen verstopften Gasse, hatte dieser Mann gut fünf Meter Platz um sich herum. Dann kam er auf den Kinderwagen zu und drehte sich  im Vorbeigehen zu Blümchen: „UND SCHEIß AUCH AUF DIESE SCHEIß KINDER!“. Mit mir ging es sofort durch und ich habe mich wie der besagte Schwan oder ein meckerndes Amselmännchen aufgeplustert und ihn angefaucht: „Jetzt ist aber mal gut hier, sieh zu das du abhaust!“ …. Sofort strafende Blicke einer Stadtführerin die unmittelbar mit ihrer Gruppe neben mir stand. „Der Mann kann schließlich nichts dafür, er ist doch verwirrt.“ Meine solidarische Mutter pflichtet der Stadtführerin natürlich bei. Fein. Ich erklärte, dass mir bewusst sei, dass der nichts dafür kann, aber dass ich auch nichts dafür könne wenn ich zurückfauche, das wäre schließlich mein natürlicher Instinkt gewesen. Wenn es um die Sicherheit meiner Tochter geht, ich würde sie mit meinem eigenen Leben verteidigen – und das obwohl ich Pazifist bin. Ist das ein Widerspruch?

Spezies junger Vater: Provoziere ihn besser nicht!
Spezies junger Vater: Provoziere ihn besser nicht!

Das Osterwochenende ging seinen Lauf und schon wieder spürte ich hin und wieder den väterlichen Beschützerinstinkt in mir aufkommen. Die Natur hatte ihn geweckt. Diesmal nicht plötzlich, sondern langsam aufkeimend. Der Gefährte meiner Mutter wollte immer wieder mein Blümchen haben. Er nahm sie und setzte sie sich auf den Schoß. Doch immer wenn er sie knutschte kribbelte es mir in den Fingern. Meine Tochter abknutschen, das darf nur die Mama, die beiden Omas und nur die beiden richtigen Opas und natürlich ich selbst. Da meine Mutter ihn aber nun mal zu mögen scheint, unterdrückte ich jegliche Anmerkungen. Der Adrenalinausbruch sollte erst später folgen.

Der Gefährte erzählte von seinem Können im Tischtennis und ich duellierte mich auf diese Art und Weise mit ihm. Seine Niederlage musste er auf den einfachen und günstigen Schläger schieben, den aber auch ich benutzte und der, wie ich finde, zum hin und wieder spielen absolut ausreichend ist – das Set mit zwei Schlägern ist sogar durchaus empfehlenswert.

Schlimmer erwischte es mich dann im Schach, einer Disziplin in der ich mich eigentlich sicher fühle. Nach drei Spielen stand es 1:2 gegen mich. Ich war schon ziemlich verärgert, da ich im Spiel zuvor meine Dame zum Schlachten hingestellt hatte, obwohl ich das Spiel bis zu diesem Zeitpunkt dominierte. Im letzten Spiel verlor ich dann, nach dem ich ihn eigentlich schon fast im Sack hatte, dadurch, dass ich meinen Turm zur Schlachtbank führte und zwar sowas von dumm, dass es das über die Tage angehäufte Ardenalin zum Überkochen brachte. Ich schlug auf das Schachbrett und spaltete es mit einem bloßen Handschlag. Ich konnte es in dem Moment nicht ertragen zu verlieren, zu groß war die angehäufte Rivalität über die Tage geworden. So kenne ich mich nicht. Der väterliche Schutzinstinkt und das Beschützen meiner Tochter vor (männlichen) Rivalen, muss ein Überbleibsel aus der Tierwelt sein, das am Osterwochenende gleich zweimal die Kontrolle über mich ergriffen hatte.

Wenigstens bin ich nicht alleine, der väterliche Schutzinstinkt macht auch vor Promis nicht halt. So etwa Hugh Grant oder Charlie Sheen, der es natürlich gleich mal wieder übertrieben hat.

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