Einflussreiche Nazipädagogik

Liebe Eltern,

ich finde es einfach erschreckend wie viel Einfluss (Dr.) Johanna Haarer in Sachen Kindererziehung noch bis heute, weit über ihr Ableben hinaus, hat.

Immer wieder wenn meine Frau oder ich, sofort beim ersten Schrei, zu unserer Tochter hechten, müssen wir uns anhören, dass wir das Kind ja verwöhnen. Oder aber, dass ein Kind nicht immer gleich auf den Arm genommen werden muss wenn es weint. Mein Elterninstinkt sagt mir, dass das nicht stimmen kann. Nicht ohne Grund hat die Natur es eingerichtet, dass man automatisch auf das Geschrei seines Säuglings hört und reagiert. Die vermeintliche Annahme, dass das Kind verwöhnt werde, wenn es bei jedem Schrei direkt (mit Körperkontakt) getröstet wird, stammt von der besagten Frau Haarer, deren Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ zu Zeiten des Nationalnationalismus jeder frisch gebackenen Mami geschenkt wurde. Frau Haarer, einst Mitglied der NSDAP und zeitweise „Gausachbearbeiterin für rassenpolitische Fragen“ der NS-Frauenschaft in München, vertrat die Annahme, das Schreien einem Kind nicht schaden würde, sondern es stark macht. Das deutsche Kind, bräuchte schließlich kräftige Lungen und die würden beim Schreien auch gleich ordentlich trainiert. Und so ließen damals wahrscheinlich tausende Eltern ihre Säuglinge einfach schreien, in der festen Überzeugung das Richtige zu tun. Längst widerlegt, scheint sich dieses Gerücht der NS-Propaganda auch heute noch in den Köpfen zu halten. Nicht nur die ganzen gut gemeinten Ratschläge, die man von Freunden und Verwandten in diese Richtung zu hören bekommt, nein, auch das Internet scheint voll davon zu sein. Sucht doch einfach mal in einer Suchmaschine Eurer Wahl nach „Kind schreien lassen“. Es ist erstaunlich, wie viele Eltern doch noch der Auffasung zu sein scheinen. Doch zum Glück gibt es auch viele, die erkannt haben, dass wir in einer modernen Welt leben. Hier ein schöner Artikel aus der Süddeutschen Zeitung zum Thema „Liebe statt Küchenpsychologie„.

Nicht nur die Nazis haben „wertvolle Tipps“ zum Thema Kindererziehung auf Lager. Die katholische Kirche, ja und selbst unser „ach so menschenfreundliche“ Papst Franziskus hat „gute“ Tipps zum Thema parat, Kernaussage Kinder bräuchten Züchtigung – nur nicht ins Gesicht schlagen. Immer wieder toll, wenn Geistliche, Vorbilder von hundertenden von Millionen Katholiken Tipps zur Familienerziehung geben, die selbst noch nicht einmal an eine Frau, geschweige denn an Sex noch  an eine Familie denken dürfen. Die müssen es ja wissen! Ich hoffe, niemand ist so dumm darauf zu hören.

Ich will Euch Leser heute nur auf Euren eigenen Instinkt aufmerksam machen. Egal ob Vater, Mutter oder Großeltern – tut das was Euer Herz Euch sagt und nicht das was man vermeintlich als Rat bekommen hat. Und liebe Väter, lasst Euch auch nicht von vermeintlich modernen Autoren wie Michael Lewis und Büchern wie „Home Game“ beeinflussen. Auch Aussagen von vermeintlichen Männerexperten wie Constantin Gillies zählen nicht, der da schreibt: „Ein Mann muss sich an seine neue Rolle als Vater erst gewöhnen. Ein Tag mit dem Kind ist für uns extrem schwierig, weil wir bei null anfangen. Die meisten Mütter beherrschen das von Natur aus. Deshalb gibt es die sogenannte 2:1-Regel: Wenn ein Mann einen Tag lang ein Kind betreut, zählt das wie zwei Tage bei einer Frau.“ Das mag vielleicht bei ihm so sein, aber es gibt einen Vaterinstinkt und wir Väter können genauso gut auf unsere Kinder reagieren wie die Mütter und das ist wissenschaftlich belegt und zwar von modernen Forschungsgruppen und nicht von Nazis, die eine Horde abgehärteter Elitekrieger hervorbringen wollen. Ich möchte bitte auch keinen Papa sehen, der sich vor der Kindererziehung und Kinderpflege drückt und sich mit der Ausrede „Das kann die Frau sowieso besser“ aus der Affäre ziehen will.

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3 Gedanken zu “Einflussreiche Nazipädagogik

  1. Ich lebe mit meiner Frau grds. emanzipiert. Ich sauge/koche etc. Sie arbeitet auch bei schwereren Sachen mit. Funkt seit 10-Jahren super.

    Wenn es aber ums Kind geht, hätte ich die kleine einen Tag, ich würde sie vmtl. Töten. Nicht alle Väter/Eltern können es mit Kindern. Pauschale Aussagen ala „kein Papa darf sich drücken“ führen m.E. Nur zu großen Desastern und alleinerziehenden Elternteilen.

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