Spielen und bewegen

Meine Frau hat sich für zwei verschiedene „Spielen und Bewegen“-Kurse angemeldet. Schließlich will sie nicht auf Gedeih und Verderb der geballten Inkompetenz von nur einer Baby-Expertin/Pädagogin ausgeliefert sein. Außerdem gibt es so nicht nur eine Möglichkeit zum werktäglichen Zeitvertreib, wenn Papa nicht daheim ist, sondern zwei. Natürlich verdoppelt sich dadurch auch die Chance normale andere Mütter kennenzulernen. Bekanntlich ist die Chance dafür recht klein. Wir hätten gerne Bekanntschaften zu Eltern die weder Helikopter-Eltern noch Öko-Faschisten sind und wie wir ihre Elternschaft auch mal mit Humor nehmen können. Bitte jemand, der nicht total ins Babykitsch-Rosa verfällt und der auch noch ein ganz normales Leben hat, oder zumindest versucht eines zu haben. Ziemlich schwer, bitte meldet Euch.

Tatsächlich sind die Unterschiede in beiden Kursen gewaltig. In dem einen Kurs ist die Kursleiterin eine graue Maus, mit unmodischem Synthetik-Oberteil, dicker Brille, leicht fettigen, blonden, pädigen Haaren und einem unangenehm unfrisch, schwitzigen Körpergeruch. Der andere Kurs ist mit einer jungen, dynamischen Powerfrau besetzt, die richtig mitreißen kann.

Der Kurs bei der Ökograumaus beginnt immer mit einer Vorstellungsrunde, in der sich alle Teilnehmerinnen samt Kind vorstellen müssen. Auch jetzt noch, nach fünf Wochen – damit ist dann die erste halbe Stunde rum. Dann schlägt Frau Achselschweiß eine Thematik vor, zu der jeder ein paar oberflächliche Sätze sagen soll. Zum Beispiel zum Thema Stillen oder Schlafen. Tiefgehende Erläuterungen der Teilnehmerinnen werden konsequent unterbunden. Schließlich interessiere sich ja niemand für die Details. Dann erzählt sie jedoch salbungsvoll, und sehr umfangreich, was sie zum Thema weiß, um danach noch eine Runde zu drehen und jedes Kind kurz zu besingen: „Hallooo, du Babyyy, wie schön dass du das bist, wir freuen uns über diihiichh“. Das wars dann auch schon mit der Kursstunde. Nach dieser Tortur, hat natürlich auch keine Mutter mehr Bedürfnis eine Konversation mit anderen Müttern anzufangen, sondern will in erster Linie nach Hause, um sich und das Kind vom salbungsvollen Sing-Laber-Stinkeschock zu erholen. Und das nennt sich dann also spielen und bewegen. Wurde gespielt? Nein. Sich bewegt? Schon mal gar nicht.

Zum Glück ist der zweite Kurs sein Geld wert. Die junge dynamische Kursleiterin regt optische, akustische und andere Sinnesreize der Kleinen an. (Gut, zugegeben, den Geruchssinn hat die andere Tante durch ihr Schweißgeruch ja auch angeregt). Durch die gezielten Eindrücke, werden die Kinder ermuntert zu reagieren, zu greifen, den Kopf zu drehen oder – und jetzt kommt die Neuigkeit – sich ganz zu drehen. Ja, unser Blümchen hat sich von alleine gedreht, herzlichen Glückwunsch. Auch die anderen Mütter sind motivierter und so auch netter. Wer weiß, vielleicht entwickeln sich hier sogar Bekanntschaften. Ich hoffe nur nicht, dass es Bekanntschaften werden, mit denen meine Frau wieder stundenlang telefoniert, aber das ist eine andere Sache.

Ich als arbeitstätiger Vater, darf bei dieser dynamischen Bewegungstherapie für meine Tochter nicht dabei sein, noch nicht einmal beim Stinkeschweißkurs. Ich muss arbeiten und Bürostuhlakrobatik betreiben, damit meine müden Gelenke nicht völlig einrosten. Damit ich meine Tochter nun auch beim Spielen und bewegen sehe und das fördern kann, werde ich mir das Buch „Spiele für den Wickeltisch“ kaufen (oder vielleicht schenkt es mir jemand zu Ostern?). Dann kann das Blümchen auf ihrem heiß geliebten Wickeltisch mit ihrem Papa lustige Sachen machen.

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