Vier Wochen alt

Heute wird unsere süße Tochter vier Wochen alt. Ich will Euch eben erzählen, was sie schon alles kann.

Fangen wir bei den Lauten an. Für kinderlose Leute mögen sich Babygeschrei und Babygeräusche immer gleich anhören. Das Ganze ist aber viel differenzierter als mancher denkt. Da gibt es zum Beipsiel ein zufriedenes Säufzen ….“hhhhmmmm“, welches wir vor allem zu hören bekommen, wenn Töchterchen gemütlich liegt und satt ist. Die Steigerung davon ist ein verträumtes, piepsiges „hhhiiiii“ in höherer Tonlage. Die Schlafgeräusche von Madame sind allerliebst: Sie schnarcht und grunzt, wie es übrigens fast alle Babys tun und kurz beim Aufwachen übt sie schon mal für ihre erste Joboption: Dirigentin eines großen Orchesters – sie schwingt mit den Armen vor dem Gesicht hin und her und gibt dabei lustige Laute von sich. Auch Schrei ist nicht gleich Schrei. Hat Blümchen Hunger, packt sie ihren lait-Schrei aus…. „laaiiitt…. lait…laaaaiiiitt.“ Als gebildeter Mensch weiß man, das lait auf französisch Milch heißt und so erkennt man dann auch folgendes: Erstens. Unsere Tochter ist sprachbegabt und hat eine zweite Joboption: Romanistin. Und zweitens, dass die Kleine ein Hungergefühl verspürt. Der Windel-Ist-Voll schrei klingt eher wie ein „bbbääähhh“, was auch ihr Gespür für Hygiene erahnen lässt. Der „Ich will auf den Arm“-Schrei ist mit einem Glucksendem „mmäähh“ zu vergleichen. Welche Anspielung sich dahinter verbirgt ist allerdings uns Eltern noch unklar. Möglicherweise verstehen wir die Rhetorik dahinter nicht. Joboption drei: Schriftstellerin.

Körperlich macht unsere Kleine wirklich große Fortschritte. Sie hält den Kopf schon ziemlich lange hoch, vor allem wenn sie sauer ist und einen ihrer Schreie ausprobiert. Außerdem hat sie gut zugenommen und mittlerweile sogar etwas Babyspeck angesetzt. Auch die Verdauung kommt in Fahrt. Seit es Fertignahrung aus der Tüte gibt, offenbart sich die vierte Joboption: Bei der Polizei zum Auflösen von Sitzblockaden linksautonomer Demonstrationen. Selbst der idealistischste Castor-Gegner wird sich bei dem Gestank freiwillig von den Schienen losketten und das Weite suchen. Diese nicht-tötliche Waffe nennen wir „Wolke sieben“.

Mit den Augen wird unsere Tochter jetzt immer wacher. Sie verfolgt unsere Gesichter und auch die Kordel von meinem Kapuzenpulli aufmerksam. Sie dreht uns auch das Köpfchen zu, wenn wir mit ihr sprechen. Jetzt schläft sie gerade und wie so oft zeigt sie eine Körperhaltung, die sie für einen weiteren Job qualifiziert: Als Jesusdarstellung in der Kirche.

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